Allgemeines

 über die historische Kinotechnik

Ein kleiner Exkurs durch die Kinotechnik

Bewegte Bilder

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Ein Film besteht aus einer Folge von Einzelbildern, die – schnell hintereinander gezeigt – als Bewegung wahrgenommen werden. Durch ihre Trägheit vermag die Netzhaut des menschlichen Auges beim stroboskopischen Effekt die Einzelbildfolgen nicht zu unterscheiden, denn ein Impuls bleibt bis zu einer zwanzigstel Sekunde auf ihr „haften“.

„Erscheinungen, die auf Nachbildwirkungen beruhen, haben mit der Kinematographie im Grunde nichts zu tun. Nur stroboskopische Erscheinungen – allerdings in Verbindung mit der Nachbildwirkung – dürfen als unmittelbare Vorläufer des Films angesprochen werden.“

Zitat von Friedrich von Zglinicki: Der Weg des Film, Berlin 1956.

Diese so genannte Nachbildwirkung in Kombination mit dem stroboskopischen Effekt vermittelt bei einer zunehmenden Bilderzahl den Eindruck, es handele sich um eine laufende Bildfolge ohne ruckartige Filmbewegungen. Eine Qualitätsverbesserung bestand im frühen Kino daher in der Erhöhung der Bildfolge von anfangs acht auf 16 und schließlich auf über 40 Bilder je Sekunde. Mit einer entsprechenden Blende am Vorführapparat kam man einer flimmerfreien Projektion dabei recht nahe.

Die zwischenzeitlichen Dunkelphasen erscheinen dem Betrachter als Flimmern, das es aus Sicht der Projektionstechnik zu minimieren gilt. Eine flimmerfreie Darstellung entsteht bei Bildern mit normalem Kontrast und Helligkeit frühestens bei ca. 45 Hell-Dunkel-Wechseln pro Sekunde. Beim Showscan-Verfahren gibt es etwa 60 Hell-Dunkel-Wechsel pro Sekunde, was die Augen des Betrachters entspannt.

Technisch weniger aufwendige Vorläufer des Kinos waren im 19. Jahrhundert Weiterentwicklungen des Daumenkinos, beispielsweise das Phenakistiskop, das Zoetrop oder das Praxinoskop. Als direkter Vorläufer des projizierten Films kann das Elektrotachysop gelten.

Grundlegende Technik

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Mit Hilfe einer rotierenden Blende lässt sich die Zahl der projizierten Bilder erhöhen, ohne dass dafür die Zahl der aufgenommenen Bilder erhöht werden müsste. So werden aus 16 (Phasen-)Bildern pro Sekunde bei Verwendung einer Dreiflügelblende oder einer dreifach übersetzt rotierenden Blende 48 Hell-Dunkel-Wechsel. Aus 24 aufgenommenen Filmbildern, der üblichen Bildfrequenz des Tonfilms, werden mit einer Doppelblende 48 projizierte Bilder. Zweck ist es, einen Kompromiss zu finden zwischen ruckelfreier materialschonender Darstellung und als flimmerfrei empfundener Vorführung.

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Die technische Entwicklung der 35-mm-Laufbildprojektoren

1896 – 1909

Foto- und Filmkameras bestanden üblicherweise aus Stahl. Die ursprüngliche Handkurbel wurde zunächst durch einen einfachen Kollektormotor abgelöst, dessen Drehzahl durch einen Schiebewiderstand geregelt werden konnte. Die Filmvorführer in den Kinos spielten in der Regel mit einer Geschwindigkeit zwischen 15 und 18 Bildern/Sekunde ab, allerdings nicht immer kontinuierlich. Drehzahländerungen waren nicht immer zu vermeiden, wurden aber auch zur Dramatisierung eingesetzt, um hektischen Szenen zusätzliche Dynamik zu verleihen (bis über 40 Bilder/Sekunde).

1929

Bis Ende der 20er Jahre stieg die durchschnittliche „normale“ Projektionsgeschwindigkeit auf über 24 Bilder/Sek., was dann mit Einführung des Tonfilms als Norm festgelegt wurde, da dieser auf eine gleichmäßige Geschwindigkeit angewiesen war.

Malteserkreuzgetriebe für die Filmfortschaltung

Zur einwandfreien Betrachtung des Films durch den Zuschauer gibt es zwei Möglichkeiten:

Bei kontinuierlich laufendem Film durch einen „optischen Ausgleich“ mit Hilfe von rotierenden Spiegeln oder Prismen. Dieses recht komplizierte Verfahren (Mechau-Projektor) hat sich nicht durchgesetzt.

Üblich ist der „mechanische Ausgleich“, bei dem der Film selbst eine sehr kurze Zeit (ca. 3/100 Sekunde) im Projektorfenster zum Stillstand kommt und vom Projektionsstrahl durchleuchtet wird. Dieser ruckweise (intermittierende) Filmtransport übersetzt kontinuierliche in schrittweise Drehbewegungen. Die meisten Projektoren nutzten das Prinzip des ruckartigen Filmtransports. Um dabei den Bildtransport selbst nicht sichtbar werden zu lassen, verwendete man zusätzlich eine Blende, die den Lichtkegel während des Bildwechsels unterdrückt und den Vorgang für den Betrachter unsichtbar macht.

„Das Charakteristische an dem Malteserkreuz ist die Form der Zähne und der Zahnlücken. Die Zahnlücken sind 4 unter genau rechtem Winkel gegeneinanderstehende Schlitze mit parallelen Flanken. […] Seinen Antrieb bekommt das Malteserkreuz durch das sogenannte Einzahnrad. […] Läuft das Einzahnrad um, so greift der Einzahnstift in eine der vier Zahnlücken […] und dreht das Malteserkreuz und damit die Schalttrommel um ein gewisses Stück herum, so daß der Film eine ruckweise Fortschaltung um je ein Bild erfährt.“

Zitat von Hermann Joachim: Die kinematographische Projektion, 8. Auflage, Halle 1928, S. 29.

Bildstrichverstellung mit feststehender optischer Achse

„Beim 35 mm-Film entfallen auf jedes Bild vier Perforationslöcher. Durch falsches Einlegen kann das Bild um ein, zwei oder drei Perforationslöcher gegenüber am Bildfenster versetzt sein. Dadurch oder durch versetzte Klebstellen kommt es aber erst ober- bzw. unterhalb des Bildfensters zum Stillstand, so daß der Bildstrich mitprojiziert wird.“

Zitat von Herbert Tümmel: Laufbildprojektion, Wien/New York 1973, S. 146.

Eine vertikale Verschiebung des Bildfensters würde bei der Projektion zu sehen sein. Daher arbeitet man mit einer feststehenden optischen Achse, die dafür sorgt, dass das projizierte Bild sich nicht nach oben und unten verschiebt.

Filmtransport (Übergang von Vorder- zur Hinterblende 1905 – 1930)

Das Prinzip der Filmprojektion ist der vor einer Lichtquelle laufende Filmstreifen. Beim ruckweisen Filmtransport darf allerdings nur während des Bildstopps der Lichtstrahl durch das Bild dringen, während des Filmtransports muss er für kurze Zeit abgedeckt sein. Hierzu dient die Blende. Anfangs benutzte man so genannte Scheibenblenden, die sich zwischen Projektions-Objektiv und Leinwand befanden. Das führte allerdings dazu, dass das Filmmaterial dauernd der heißen Lichtquelle ausgesetzt war und die Brandgefahr sich erhöhte. Daher konstruierte man die „Hinterblende“ und montierte sie zwischen Film und Lampenhaus. Dadurch wird der Lichtstrahl nur halb so lange auf den Film projiziert.

Linksprojektor (1925 – 1960)

Zum übergangslosen Filmrollenwechsel ohne Unterbrechung der Vorführung verwendete man zwei Projektionsgeräte. Die herkömmlichen Projektoren wurden von der rechten Seite aus bedient. Verwendete man einen Rechts- und einen Linksprojektor, den die Firma Bauer konstruiert hatte, so konnte der Filmvorführer zwischen den beiden stehen und die Filmrollen schnell und komfortabel austauschen.

Wasserkühlung (1933)

Die Popularität des Kinos verlangte nach größeren Sälen, größeren Leinwänden und daher auch nach helleren Projektoren mit stärkeren Bogenlampen bis weit über 100 Ampere. Der unerwünschte Nebeneffekt bestand in einer starken Hitzeentwicklung, die eine stetige Kühlung nötig machte, um die Brandgefahr zu reduzieren. Eine neue Generation von Projektoren wurde mit einer Wasserkühlung ausgestattet, die die Metallteile der Bildfenster nicht überhitzen ließ.

Stereoskopische Laufbildprojektion (1934 )

Die Firma Zeiss Ikon brachte erstmals das Verfahren für stereoskopische Laufbildprojektion unter Verwendung von polarisiertem Licht auf den Markt – beide Halbbilder befinden sich auf einem Film. Dies ermöglichte auch die Projektion in Farbe.

Bildtonprojektor (1936)

Nach Einführung des Lichttons wurden die vorhandenen Projektoren aufgerüstet und mit Laufwerken ausgestattet, an denen der Ton abgetastet wurde. Der nächste Schritt bestand darin, Projektoren mit integriertem Tonabtastgerät zu entwickeln.

Automatische Filmvorführung für eine ganze Vorstellung (1954)

Gasentladungslampen bildeten die Voraussetzung für automatische Vorführungen, insbesondere die Xenonlampe von Zeiss Ikon und der Erlass des Sicherheitsfilmgesetzes von 1957, das die Brandgefahr auf der Materialseite reduzieren sollte.

Pausenlose automatische Vorführung von zwei Stunden und mehr mit einem Projektor (1968)

Hierzu gehören die „Türme“ und „Teller“ die den gesamten Film in einer Rolle inklusive Vorprogramm aufnehmen können und in der Nähe der Projektoren aufgestellt wurden.

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